Music for 88


[Cover: Vorderseite]"Tom Johnson liebt Zählen, systematisches Rechnen und Vorhersagbarkeit. Er ist der Meister einer logischen Musik, deren Wesen das vollständige Aufdecken ihrer Grundlagen einbezieht. Durch die Strategie eines tautologischen Selbstbezugs und durch das Vermeiden jeder Art von Geheimnistuerei kann sich seine offensichtliche trockene Ernsthaftigkeit von ganz alleine in klärenden Witz und in eine ziemlich amüsante Einsicht verwandeln."
[Anmerkung des Übersetzers: Da das Originalzitat nicht zugänglich war, mußte es aus der englischen Übersetzung zurückübersetzt werden.]

Matthias Osterwold, Berlin, 1988

"In den verschiedenen Stadien seiner kompositorischen Entwicklung galt Johnsons größte Sorge immer einer Musik, deren Fortschreiten vorhersehbar bleibt, und die so das Geheimnis ebenso wie das Geheimnisvolle gänzlich vermeidet. Dieser Verzicht - in den letzten Jahren sogar noch radikaler geworden - mit seiner Verwendung strikt rationaler Systeme gefährdet aber dennoch in keiner Weise die künstlerische Qualität seines Oevres. Immer gibt es eine Spannung zwischen der durchsichtigen strukturellen Logik eines Stücks und dem Material, das diese erzeugt."

Veniero Rizzardi, Padua, 1984

"Tom Johnson treibt die Strenge gerne zum Äußersten - es macht ihm Freude, mit dem nackten Material zu demonstrieren, dass genau da eine neue Komplexität entsteht, wo wir die äußerste Einfachheit erreicht zu haben glaubten."

Gérard Condé, Paris, 1985

[Cover: Rückseite] Inhalt:

 1. Eighty-Eights (5:20)
 2. Mersenne Numbers (7:45)
 3. Multiplication Table (7:08)
 4. Pascal's triangle (16:32)
 5. Euler's Harmonies (5:35)
 6. Abundand numbers (17:50)

Klangbeispiele im MP3-Format:

1. Eighty-Eights

3. Multiplication table

4. Pascal's Triangle

5. Euler's Harmonies

6. Abundant numbers

"EINFACHHEIT UND KLARHEIT waren für mich beim Komponieren immer ganz wesentlich. Das ist wahrscheinlich vor allem eine Reaktion auf die zeitgenössische Musik, die ich als Student in den Sechzigern hörte - die sich anscheinend hauptsächlich mit Komplexität und Verwirrung beschäftigte. Die Suche nach klaren, einfachen und eleganten Aussagen führte mich zu einer Anzahl verschiedener Arten von reduktiver oder minimalistischer Musik, von denen viele Zahlen und das Zählen einbezogen, und führte sogar bis hin zu dem Punkt, den Counting Languages darstellt: Ein Werk nur aus gesprochenen Zahlen, wo so gut wie keine Musik übriggeblieben ist.

Um 1987 wurde offensichtlich, dass ich ein bißchen besser verstehen würde, was ich da tat, wenn ich über meine Highschool-Algebra hinaus etwas mehr Mathematik lernen würde. Also fing ich an, Mathematikbücher zu lesen, besonders alte Klassiker der Zahlentheorie von Pascal, Fermat, Euklid und anderen, und diese Quellen legten mir etwas kompliziertere musikalische Strukturen nahe als die, die ich bis dahin verwendet hatte. Ich wollte solche Strukturen benutzen, aber ich wollte auch hier Klarheit. Manchmal ist eine ausdrückliche Erklärung der einzige Weg, Dinge wirklich klar zu machen, und manchmal wird die Erklärung so wichtig, dass sie zu einem Teil der Musik wird - und im großen und ganzen ist genau das in Music for 88 geschehen.

Das Ergebnis ist himmelschreiend didaktisch, und ich persönlich komme damit sehr gut klar. Die Freude am Lernen kann genauso groß sein wie die Freude an jeder künstlerischen Erfahrung, und wenn die Hörer hier etwas über abundante Zahlen oder Mersennesche Zahlen oder Fliesenmuster lernen - genauso, wie sie auch Musik hören - scheint mir das vollkommen in Ordnung.

Tom Johnson, 1988

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